
Freitagabends sind wir unterwegs um Leute anzusprechen, ihnen von der Liebe Gottes zu erzählen oder einfach zuzuhören.
Die seelische Not ist riesig, kaum jemand steht selbstbewusst und zielstrebig im Leben. Doch wirkliche Not, wie bei Istvan, treffen wir selten. Istvan ist 28 Jahre alt und aus Rumänien. Mit gebrochenem Deutsch spricht er mich am Bahnhof an und fragt nach dem nächsten Zug nach Zürich. Durch seine kaputten Zähne und die tiefen Furchen in seinem Gesicht fällt er auf. Er trägt kein Gepäck bei sich. Bald fängt er an zu erzählen. Istvan ist geschieden und hat drei Kinder. Alles Geld was er verdiene bekomme seine Exfrau. In Österreich arbeitete er schwarz und erlitt dabei einen schweren Arbeitsunfall – er fiel 10 Meter vom Gerüst. Die Caritas vor Ort unterstützte ihn, sie päppelten ihn nach dem Krankenhausaufenthalt wieder auf. Sein Chef wies ihn an, mit dem Zug nach Frankreich zu fahren und von dort zurück nach Rumänien zu fliegen, er würde für die Kosten aufkommen. Und dabei wartet Istvan noch auf den Lohn der letzten drei Monate. Da es bereits 23:00 Uhr ist, schlagen wir ihm vor, bei uns zu übernachten, anstatt irgendwo auf dem Weg von Zürich nach Genf. Nach einigem Zögern willigt er ein. Jemand, der sich mit Istvan auf serbisch unterhielt, warnte uns davor, ihn nach Hause zu nehmen. ‘Bei dem müsst ihr aufpassen!’ meinte dieser. Davon merkten wir allerdings nichts, der restliche Abend verlief friedlich und Istvan erwies sich als äusserst dankbar. Er gab uns seine Adresse in Rumänien, und lud uns ein ihn zu besuchen. Am nächsten Morgen um 7:00 Uhr nahm er den Zug nach Zürich. Wir haben die Telefonnummern ausgetauscht. Werden wir von ihm hören?
